Blinde Menschen waren seit eh und je mit dem Problem konfrontiert, die gängigen Zahlungsmittel eindeutig zu erkennen. Ich werde In Geschäften und bei Gasthausbesuchen seit der Umstellung auf den Euro des Öfteren gefragt, wie ich als Blinder das Geld erkenne. Das kommt wahrscheinlich daher, daß auch die Sehenden erhebliche Schwierigkeiten haben, mit der neuen Währung zurechtzukommen, zumal mehr Scheine und Münzen als vorher zum Einsatz kommen.
Deshalb an dieser Stelle eine Kurzbeschreibung der Merkmale:
Die Euro-Münzen haben sehr gut unterscheidbare Rändelungen:
Die drei "Kleinen" sind am Rand glatt, wobei die 2-Cent-Münze eine rundum laufende Einkerbung aufweist und die 5-Cent-Münze ist wesentlich größer als die anderen beiden. Die 10-Cent- und die 50-Cent-Münze haben eine grobe Rändelung und sind aufgrund ihres eindeutigen Größenunterschiedes leicht zu unterscheiden. Die 20-Cent-Münze hat sieben gut fühlbare Einkerbungen – dies nennt man im Fachjargon "Spanische Blume" - und kann dadurch nicht mit einer anderen verwechselt werden. Ein wenig aufpassen muss man bei den Münzen mit höherem Nennwert, weil der Größenunterschied zwischen der 1- und 2-Euro-Münze nicht besonders groß ist. Aber auch da kann man mit einem durchschnittlichen Tastgefühl den Unterschied der feinen Rändelung gut erkennen:
Die 1-Euro-Münze ist dreimal durch einen glatten Rand unterbrochen, bei der anderen ist die Rändelung durchgehend.
Die Banknoten werden, nach Größen geordnet, immer länger und breiter, wobei die Breite nur bis zum Hunderter zunimmt. Geübte Blinde machen zwischen Mittel- und Zeigefinger eine Breitenmessung und wissen mit ziemlicher Sicherheit, welchen Wert eine Euro-Banknote hat. Da der Zweihunderter und der Fünfhunderter gleich breit wie der Hunderter sind, befinden sich gut fühlbare Merkmale auf den beiden großen Scheinen.
Im Vorfeld der Umstellung auf den Euro gab es Lehrgänge. In Gruppen oder einzeln wurden Blinde mit den Münzen und Scheinen vertraut gemacht. Diese so geschulten "Trainer" haben ihr Wissen weiter gegeben. In der Bezirksgruppe Nienburg habe ich diese Aufgabe übernommen.
Besonders ältere Blinde hatten große Bedenken, daß die Umstellung für sie Probleme bringen würde.
Blinde, die kein sehr gutes Tastgefühl haben, verwenden eine Messschablone namens Cashtest im Kreditkartenformat, mit der man die Scheine der Länge und der Breite nach untersuchen kann, ob es sich von der Größe her um Euro-Scheine handelt, wenn ja, um welche. Außerdem befindet sich auf der Rückseite ein konischer Einschubkanal, mit dem man die Münzen überprüfen kann.